Ferien während der Chemotherapie: was wirklich funktioniert

 

Frau mit Chemo-Glatze und Strohhut isst geniessend ein Eis im Strassencafé

Ferien während der Chemo. Klingt nach einem Widerspruch. Ist es auch, ein bisschen. Und trotzdem war es für mich wichtig. Nicht weil ich Ferien brauchte im klassischen Sinn, ich wollte einfach ein bisschen Normalität. Ein Stück Leben das sich nicht nach Krankheit anfühlte.

Ich erzähle dir von meinen Erfahrungen, von dem was für mich nicht funktioniert hat, von dem was gut war, und was ich dir heute raten würde.

Was nicht funktioniert hat: Der Camper
Wir haben es versucht. Mit unserem kleinen Camper, voller guter Absichten. Es hat nicht geklappt.

Zu wenig Platz, zu viel Arbeit. Duschen und Toilettengänge auf dem Campingplatz, jedes Mal eine kleine Expedition wenn die Energie fehlt. Kochen auf engstem Raum, extrem anstrengend. Ausflüge nur zu Fuss oder mit dem Fahrrad. Das war schlicht zu viel.

Wir haben den Plan geändert. Und das war die richtige Entscheidung.

Was gut funktioniert hat: Das Airbnb
Wir haben eine kleine Ferienwohnung gebucht. Eigene Küche, eigenes Bad, eigenes Tempo. Mein Partner ist mit dem eigenen Auto gefahren und ich habe mich auf dem Beifahrersitz ausgeruht. Pausen machen wo und wann es nötig war, einfach so, ohne Erklärungen.

Eine Kühlbox mit Proviant war für mich unverzichtbar. Während der Chemo sind die Schleimhäute so angegriffen, dass vieles nicht geht. Stark Gewürztes, Heisses, manchmal sogar Lieblingsgerichte. Ich konnte mir nicht vorstellen spontan irgendwo anzuhalten und etwas zu kaufen. Der Geruch allein hätte gereicht. Das versteht man nicht, wenn man es nicht selbst erlebt hat.

Die eigene Küche war Gold wert. Ich konnte kochen was ich gerade vertrug, wann ich es wollte, ohne irgend jemandem etwas erklären zu müssen.

Restaurantbesuche: Ja, aber mit Plan
An guten Tagen war ein Restaurantbesuch wunderbar, sehr oft sogar ein kleines Highlight. Aber ich habe die Speisekarte immer im Voraus studiert, etwas Einfaches, nicht zu stark Gewürztes herausgesucht, und dann erst reserviert. An einem guten bis sehr guten Tag. Das hat bei mir bestens funktioniert.

Ausflüge: Spontan und ohne Erwartungen
Das war mein wichtigstes Learning. Nicht zu viel planen. Mal hat ein ein bisschen Radfahren,  mal ein Ausflug mit dem Boot, ein Spaziergang durch ein kleines Städtchen oder ein Museumsbesuch. An anderen Tagen ging rein gar nichts. Ich war einfach nur müde und erschöpft.

Wenn man nichts Konkretes geplant hat, ist man auch nicht enttäuscht.

Gemütliche Spaziergänge im Wald oder am Meer haben mir immer gut getan. Sich einfach irgendwo ins Gras legen. Das klingt nach nicht viel, für mich war es oft das Paradies.

Alleine reisen: Für mich undenkbar
Alleine hätte ich mir während der Chemo Ferien in keinster Weise zugetraut. Mein erster Alleinurlaub war zwei Jahre nach der Therapie. Vielleicht in einer begleiteten Gruppe mit anderen Betroffenen, das hätte ich mir vorstellen können. Genau deshalb biete ich im Herbst im Kiental ein solches Angebot an.

Praktische Tipps bevor du losreist
Rücksprache mit dem Onkologen halten. Was brauche ich in der Reiseapotheke? Welche Medikamente müssen mit? Was ist im Notfall zu tun?

Hitze meiden und Sonnenschutz sehr ernst nehmen. Die Haut ist während der Chemo viel empfindlicher.

Viele Menschen um sich herum kann anstrengend sein. Das darf man sich eingestehen.

Die Bedürfnisse der Begleitperson nicht vergessen. Ferien während der Chemo sind auch für Partner, Familie und Freunde nicht einfach Ferien. Es braucht viel Verständnis und Rücksicht auf beiden Seiten. Sprich im Voraus darüber was du brauchst und was du dir vorstellen kannst.

Fazit
Ferien während der Chemo sind möglich. Aber sie sehen anders aus als sonst. Weniger Programm, mehr Sein. Weniger Leistung, mehr Ruhe. Und mit der richtigen Begleitung und den richtigen Rahmenbedingungen können sie trotzdem wunderschöne Momente schenken.

Ich wünsche dir eine schöne Sommer-/ und oder Ferienzeit
von Herzen, Claudia


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